AG Minden: DE-Version eines Spiels bestellt, PEGI-Version geliefert – Sachmangel ermöglicht Rücktritt

Das AG Minden, Urteil vom 25.11.2016, Az. 20 C 167/16, hatte sich in einem für Spieler durchaus interessanten Verfahren mit Rechtsfragen zum Kauf eines Computerspiels bzw. der Vertragsrückabwicklung zu befassen.

In dem konkreten Fall hatte ein Kunde ein Computerspiel gekauft, das auf der Internetseite des Händlers mit der Bezeichnung „… Psv Uk [DE-Version]“ beworben worden war. Der Käufer des Spiels ging dementsprechend davon aus, dass ihm eine deutsche Fassung des Spiels geliefert werden würde. Tatsächlich wurde allerdings nicht die beworbene DE-Version geliefert, sondern eine englischsprachige PEGI-Fassung.

Vorgerichtlich hatte der Käufer den Händler zunächst zur Nachbesserung aufgefordert. Nachdem eine gesetzte Frist ergebnislos verlaufen war, erklärte der Käufer den Rücktritt vom Kaufvertrag und beanspruchte den Kaufpreis zurück.

Zu Recht, wie das Gericht entschied:  für einen durchschnittlich Käufer sei vorliegend davon auszugehen, dass aufgrund der eindeutigen Bezeichnung eine deutsche Version des Spieles Verkaufsgegenstand gewesen ist. Dementsprechend hätte der Händler auch eine deutsche Fassung des Spiels ausliefern müssen.

Der Händler hatte indessen versucht, sich mit dem Argument zu verteidigen, dass die Bezeichnung lediglich auf den Bezug von einem deutschen (Groß-)Händler verweisen sollte. Dieses Argument hielt das Gericht nicht für überzeugend. Für den Kunden sei es schlicht uninteressant, woher der Händler die Ware beziehe; vielmehr zähle für den Kunden, ob er eine deutsche oder englische Fassung des Spiels erwerbe.

Im Ergebnis wurde der Händler zur Rückzahlung des Kaufpreises Zug-um-Zug gegen Herausgabe des Spiels sowie zur Zahlung der vorgerichtlichen Rechtsverfolgungskosten des Käufers verurteilt.